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Warum wir lieber verbluten, als um Hilfe zu bitten

Gestern Abend, ROOTED Circle. Vier Männer, ein Thema: nach Hilfe fragen.

Und ich hab wieder gemerkt: Wir sind alle ganz wunderbare Helfer.

Ruf mich nachts um drei an, ich steh in zwanzig Minuten vor deiner Tür. Kein Thema.

Aber selbst fragen?

Einer aus der Runde hat erzählt, wie er als junger Assistenzarzt in der Klinik gearbeitet hat. Nachts ständig auf Toilette. Massiv Gewicht verloren. Und er wusste es. Er kannte die Symptome, er hat sie jeden Tag bei Patienten gesehen. Diabetes.

Er hat es einfach ignoriert.

Bis sein Bruder gesagt hat: Junge, was ist mit dir los, du siehst krank aus. Der Vater musste ihn dann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit komplett entgleistem Blutzucker retten.

Er hätte es wissen müssen. Er hat es gewusst. Und hat trotzdem nicht gefragt.

Und genau darum geht es: Wir tragen zu viel, bis es gar nicht mehr geht. Erst dann, wenn überhaupt, fragen wir.

Und dann kommt meistens noch eine Stimme dazu: Du stiehlst der Person Zeit. Du fällst zur Last. Das kriegst du auch alleine hin.

Einer in der Runde hat sich sogar dabei ertappt, wie er selbst Hilfe von einem Freund angeboten bekam und sie kaum annehmen konnte. Ohne sofort ein Gegenangebot hinterherzuschießen. Einfach nur: Danke.

Das ist schwerer, als es klingt.


Ich selbst hab mir letztes Jahr Geld von einem Freund geliehen. Und hab mich danach klein gefühlt. In seiner Schuld. Musste aktiv gegen das Gefühl ankämpfen, sofort wieder alles gerade zu ziehen. Dabei würde ich selbst jedem sofort helfen, ohne eine Sekunde zu überlegen.

Woher kommt das?

Ich glaub, es hat was mit dem Bild zu tun, das uns eingeimpft wurde. Der Typ im Film, der noch halb verblutet weiterkämpft, statt sich helfen zu lassen. Der nochmal aufsteht. Der durchzieht.

Und wir feiern das als stark.

Dabei ist die eigentliche Stärke was anderes. Jemandem eine Sprachnachricht schicken und sagen: Hey, ich brauch grad deine Hilfe. Ohne Nebensätze. Ohne "musst du aber nicht". Ohne "ist auch nicht so schlimm".

Einfach nur die Bitte. Und sie stehen lassen.

Wer von euch hat das zuletzt gemacht? Nicht "kannst du kurz" oder "wär cool wenn", sondern klar und direkt: Ich brauch deine Hilfe.

Und an wen würdet ihr euch trauen, das zu schicken?

 
 
 

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Christian Suhr — Coach für Männer

Christian Suhr begleitet Männer in Trennung, Beziehungskrisen und der Vaterrolle. Mit Atemarbeit, Gewaltfreier Kommunikation und Kundalini Yoga als ausgebildeter Lehrer — online deutschlandweit, lokal am Bodensee.

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Themen: Trennungscoaching für Männer · Beziehungskrise · Coaching für Väter · Männer Community · Persönlichkeitsentwicklung

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