Thema im Männerkreis: Selbstermächtigung
- Christian Suhr
- 5. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Wir starten mit einer Meditation. Bodyscan, Atmung, und dann die Einladung, ein Kraftwesen zu sehen. Ein Tier, eine Energie, irgendwas, das für die eigene Urkraft steht.
Was dann kam, hat mich wieder mal sehr inspirierend.
Die Macht liegt nicht bei anderen
Einer von uns hat gerade richtig viel freie Zeit. Sommer, gesund, alles offen. Und er sitzt in seiner Bude und macht: nichts. Sein Satz dazu:
"Ich könnte so viele tolle Sachen machen, aber die Hürde ist einfach nur, dass ich mir das selber nicht zutraue."
Und dann die entscheidende Erkenntnis, als ich frage, wem er seine Kraft gegeben hat: keiner Person. Den Zweifeln. Den Ängsten.
Das zog sich durch den ganzen Abend. Keiner von uns hat seine Macht an einen Chef verloren, an eine Frau, an die Eltern. Wir geben sie an unsere eigenen Gedanken ab. An alte Prägungen. An das Kopfkino, das schon drei Schritte weiterdenkt, bevor der erste passiert ist.
Der Panther und der Stier
Spannend war, was in der Meditation auftauchte. Bei zweien: ein schwarzer Panther. Elegant, bodenständig, kraftvoll. Ein Tier, das jagen kann, wenn es muss. Das aber auch einfach mal lässig auf einem Baum liegt, ohne sich dafür zu schämen.
Bei einem anderen: ein Stier. Aber nicht der wilde Stier, der aus dem Gatter bricht. Sein Bild war härter:
"Er legt sich hin und macht nichts. Ich gebe mich der Situation jetzt hin."
Resignation. Das Gatter geht auf und der Stier bleibt liegen.
Und dann kam der Moment, den ich an unseren Runden so liebe. Er hat selbst erkannt, was ihn blockiert: zu viele Gedanken. Und er hat selbst sein Werkzeug gefunden: kalt duschen. Nicht als Biohack , sondern als Startschuss. Körper an, Kopf aus, Gatter auf.
Wut ist nicht böse
Ein Thema kam immer wieder hoch: Wut. Einer sagte, er hat sie sein Leben lang gekesselt und weggeschoben.
Kenne ich. Kennen wir wahrscheinlich alle.
Ich habe von einem Coachee erzählt, der in einem Prozess erkannt hat: Er hatte seine Wut sein Leben lang hinter einer fetten Feuertür weggesperrt. Und dann kam die Erkenntnis, dass diese Wut sein Wille ist. Sein Wille zu leben. Sein Wille, in die Kraft zu kommen.
Wut ist nicht Zerstörung. Wut kann dich ins Tun bringen. In Kontakt. In Kreation. Der Panther ist auch mal aggressiv, wenn er Beute fasst. Das gehört zur Energie dazu.
Einsamkeit, ehrlich ausgesprochen
Mittendrin fiel das Wort Einsamkeit. Und plötzlich waren alle drin. Der eine fühlt sich einsam in der neuen Stadt. Der andere plant sein ganzes Wochenende um andere Menschen herum und ist frustriert, wenn ein Tag frei bleibt.
Ich habe eine Geschichte geteilt, die ich lange für mich behalten habe: Als meine Frau mich damals verlassen hat, bin ich nach Portugal gefahren. Saß da abends allein im Restaurant, Sonnenuntergang, und um mich herum drei deutsche Pärchen. Alle etwa mein Alter. Und ich dachte nur: Was will mir das Leben gerade sagen?
Erst kam Trauer. Dann kam der Switch. Ich hörte, wie sich das Pärchen neben mir leise stritt. Und auf einmal dachte ich: Ich sitze hier einfach. Ich kann bestellen, was ich will. Ich kann aufstehen, wann ich will. Ich muss nichts ausdiskutieren.
Voll geil, so frei zu sein.
Dieser Switch war einer der wichtigsten Momente meines Awakening. Allein sein ist nicht das Problem. Das Bild, das wir uns vom Alleinsein machen, ist das Problem.
Was am Ende bleibt
Wir schließen unsere Runden immer mit Commitments. Konkret, in einer Woche, geteilt in der Gruppe. Diesmal dabei: ein Tagesausflug allein. Ein Social Dance, um den einer schon lange herumschleicht wie ein Panther. Eine Tango-Stunde, die seit Monaten aufgeschoben wird. Eine kalte Dusche.
Klingt klein. Ist es nicht.
Weil es nicht um die Dusche geht. Es geht darum, sich selbst zu ermächtigen. Ohne Drill Sergeant, ohne Mutter, die anruft, ohne Kumpel, der dich abholt. Du selbst. Dein Werkzeug. Dein Startschuss.
Die Kraft war nie weg. Wir haben sie nur verlegt.
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