Über "sichere" Männer.
- Christian Suhr
- vor 4 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Was bedeutet es eigentlich genau, ein „sicherer Mann“ zu sein?
Also sicher vor allem für Frau, Kinder, aber auch Kumpels und Menschen, die einen umgeben?
Es wird viel geschrieben und diskutiert über den reflektierten Mann, den ruhige Mann. den Mann, der die richtigen Worte kennt, über Gefühle sprechen kann und bloß niemanden verletzt.
Und ja, vieles davon ist wichtig.
Aber ganz ehrlich?
Ich habe Männer erlebt, die perfekt in Therapie-Sprache sprechen konnten und trotzdem emotional unsicher waren.
Männer, die nach außen weich wirkten, aber innerlich voller Wut, Kontrolle oder Angst waren.
Und ich habe Männer erlebt, die eine rohe, starke Energie hatten, bei denen man aber sofort gespürt hat: Der meint es ehrlich. Der ist präsent. Der ist echt da.
Ich glaube mittlerweile: Sicherheit hat viel weniger mit Verhalten zu tun, als die meisten denken. Und viel mehr mit Bewusstsein, Haltung und Energie.
Ein sicherer Mann ist nicht ein Mann ohne Dunkelheit.
Sondern ein Mann, der seine Dunkelheit kennt. Boom.
Das war für mich selbst irgendwann ein harter Punkt: Zu merken, dass da Seiten in mir sind, die ich lange nicht anschauen wollte, weil unangenehm, weil "was denken dann dieAnderen"?
Was sind das für "dunkle Seiten"? Zum Beispiel kann das Kontrolle, Ego, der Wunsch, Recht zu haben oder Dominanz sein. Weglaufen, wenn es emotional wird. Zumachen. Mich hinter Arbeit oder Stärke verstecken. Und so weiter.
Ich glaube, wir tragen auf ne gewisse Art und Weise alle diese Dinge in uns.
Aber wir lernen früh, sie entweder zu verdrängen oder auszuleben.
Nur kaum jemand zeigt uns, wie man bewusst damit umgeht.
Ich hab das mal in einem Schattenseminar erfahren. Das war intensiv und seeehr unangenehm.
Aber genau dort beginnt für mich echte Entwicklung. Da wo es unangenehm wird.
Nicht bei perfekten Morgenroutinen.
Nicht bei Zitaten auf Instagram.
Nicht dabei, möglichst „bewusst“ zu wirken.
Sondern bei brutaler Ehrlichkeit mit sich selbst.
Zu erkennen:
Wo bin ich emotional nicht verfügbar?
Wo spiele ich eine Rolle?
Wo manipuliere ich vielleicht sogar, weil ich Angst habe?
Wo suche ich Bestätigung?
Wo reagiere ich eigentlich noch wie ein verletzter Junge?
Denn wenn wir ehrlich sind: In vielen Männern lebt noch dieser Teil, der sich endlich genug fühlen will.
Der gesehen werden will.
Der Angst vor Ablehnung hat.
Der gelernt hat, Liebe über Leistung zu bekommen.
Oder über Anpassung.
Oder über Stärke.
Und dieser Teil taucht später überall wieder auf: In Beziehungen. In Konflikten.
In Eifersucht. Im Rückzug. In Wut. Im Gefühl, nie wirklich anzukommen.
Ich merke immer mehr: Die meisten Probleme entstehen nicht, weil Männer „zu männlich“ sind. Sondern weil sie nie gelernt haben, bewusst "Mann zu sein".
Weil sie nie gelernt haben, mit ihrer Kraft gesund umzugehen.
Denn welche Väter waren da schon die Vorbilder?
Viele haben entweder gelernt, hart zu werden.
Oder weich und angepasst.
Aber kaum jemand hat uns gezeigt, wie man beides gleichzeitig sein kann.
Klar und liebevoll.
Stark und offen.
Präsent und emotional erreichbar.
Und genau das fühlt sich für mich heute nach reifer Männlichkeit an.
Nicht Perfektion.
Nicht spirituelle Fassade.
Nicht ständige Ruhe.
Sondern Verantwortung.
Für die eigene Energie.
Für die eigenen Trigger.
Für das, was man in einen Raum bringt.
Für die Menschen, die man liebt.
Ein Mann wird nicht sicher, indem er ungefährlich wird.
Er wird sicher, wenn er sich selbst tief genug kennt, um bewusst mit seiner Kraft umzugehen. Und das merken Alle und vor allem die eigene Frau.
Das ist keine schnelle Reise. Ich weiss wovon ich spreche ;)
Und ehrlich gesagt oft keine angenehme.
Aber wahrscheinlich eine der wichtigsten Reisen, die ein Mann machen kann.
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